Derweil in den Partnerstädten

Eigentlich interessiere ich mich nicht oder nur sehr punktuell für Kommunalpolitik, meinen Themen sind neben Krieg und Frieden eher Wirtschafts- und Sozialpolitik. Aber der Alltag findet in der lokalen Berichterstattung viel anschaulicher statt als in den landesweiten Medien. Also verfolge ich regelmäßig die lokale Berichterstattung aus den Karlsruher Partnerstädten Winnyzja und Krasnodar.

Für Winnyzja lese ich Suspilne und für Krasnodar 93.

In Winnyzja ging es in letzter Zeit um zu teuer eingekaufte Drohnen, eine Unterschlagung im Zusammenhang mit dem Verkauf einer Gewerkschaftsimmobilie und die Ergänzung der Ehrengalerie der Gefallenen im Park. Am 19. Februar gab es einen Bericht zu einer Kundgebung aus Anlass des 12. Jahrestags des Kriegsbeginns, der 2014 angefangen hat, und eben nicht erst mit der Eskalation 2022. Die Artikel auf Suspilne sind natürlich auf ukrainisch, lokaler Journalismus findet nur in der Landessprache statt. Wem die Übersetzerei zu anstrengend ist: Es gibt in den Artikeln auch mehr oder weniger sprechende Bilder.

In Krasnodar wurde Mitte April (vor der Telegram-Blockade, deren Unbeliebtheit Putin offensichtlich unterschätzt hat) die Kommentarfunktion auf dem Telegram-Kanal des Gouverneurs abgeschaltet, nicht zufällig in der Phase der häufigeren und heftigeren ukrainischen Drohnen-Angriffe auf Raffinerie- und Hafenanlage im Bezirk. Die Streichung von Flügen, die Reinigung der ölverschmutzten Strände und die Luftverschmutzung nach dem Großbrand sind direkte Kriegsfolgen, die Probleme bei Liftreparaturen indirekte, Reparaturen und Ersatzteile werden teurer und von der Wohnungsverwaltung verzögert, wenn sich Firmen aus dem Markt zurückgezogen haben.

Ich bin immer wieder überrascht, wie relativ offen im lokalen Medium 93 über Probleme und Ärger im Zusammenhang berichtet wird. Natürlich kein Vergleich zu den im Ausland erscheinenden Oppositionsmedien wie Novaya Gazeta und Meduza, aber immerhin.


Posted

in

by